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| Tradingstrategien (nicht) nur für Extremsituationen: Nutzen Sie Gier, Angst und Panik zu Ihrem Vorteil
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Viele sehr gute Ideen, die eine bessere Darstellung verdient hätten
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 10 REZENSENT) (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Tradingstrategien (nicht) nur für Extremsituationen: Nutzen Sie Gier, Angst und Panik zu Ihrem Vorteil (Gebundene Ausgabe) Dies ist ein Buch für Systemtrader. Es enthält aber auch eine Reihe wirklich sehr guter und interessanter Ideen, die man auch dann für sich nutzen kann, wenn man nicht blind einem mechanischen System folgen möchte.
Im ersten Viertel seines Werkes versucht der Autor uns das gängige wissenschaftliche Marktmodell vorzustellen. Vor einigen Jahren behaupteten Wirtschaftswissenschaftler grob gesagt, die Finanzmärkte seinen effizient und man könne sie deshalb nicht schlagen. Diese Aussage ist nachweislich Blödsinn. Es gibt viele Trader, die bereits auf Dauer den Markt geschlagen haben. Das bestechendste Gegenbeispiel außerhalb der Tradergemeinschaft ist Warren Buffett.
In Wirklichkeit hat diese Effizienz-Behauptung einen ganz einfachen Hintergrund. Nur unter diesen unrealistischen Voraussetzungen kann man nämlich beim gegenwärtigen Stand der Mathematik überhaupt erst die beiden gängigen mathematischen Marktmodelle aufstellen. Und erst sie ermöglichen dann praktische Berechnungen und haben so zum Beispiel zur Black-Scholes-Theorie für die Ermittlung des theoretisch fairen Optionspreises geführt.
Jeder Fachmann weiß, dass sowohl das zeitlich diskrete Irrfahrts- als auch das zeitlich stetige Gauss-Modell jeweils einen so genannten Markov-Prozess ergeben. Das bedeutet: Die zukünftige Entwicklung des Kursverlaufes ist nur vom gerade ermittelten Kurs und nicht von der weiteren Vergangenheit abhängig. An den Finanzmärkten kommt es jedoch andauernd zu Rückkopplungen, beispielsweise dann, wenn Trends oder Unterstützungen bestätigt werden oder brechen. An diesen Stellen reagieren die Märkte auf Informationen aus der Vergangenheit. Rückkopplungseffekte führen jedoch immer zu nicht linearen Modellen. Die oben angeführten mathematischen Modelle sind aber linear und folglich weit von der Realität entfernt.
Ich finde es höchst bemerkenswert, dass ein Systemtrader, der aus praktischer Erfahrung weiß, dass die Markttheorien von Leuten, die nie an den Märkten gehandelt haben, falsch sind, es dennoch für nötig hält, uns dies auch theoretisch zu beweisen. Irgendwie kriegt man da doch das Gefühl, dass die Wissenschaften langsam die Rolle einer Ersatzreligion übernehmen. Leider ist dem Autor die theoretische Widerlegung nicht sehr eindrucksvoll gelungen. Er hätte sich das ganze erste Kapitel sparen sollen. Es ist für Trader völlig uninteressant, was Leute vermuten oder behaupten, die vom Börsenhandel keine wirkliche Ahnung haben.
Im 2. Kapitel kommt der Autor dann zu etwas Praktischem. Er erklärt uns zunächst, wie man einem Computer beibringt, einen Trend zu erkennen. Er beschreibt die Tücken des Back-Testings von automatischen Handelssystemen, die auftreten, wenn zum Beispiel die Informationen eines Tick-Charts zu einem Tageschart komprimiert werden und dadurch der Tagesverlauf als Information verschwindet. Anschließend wird uns eine Reihe von elementaren, aber durchaus interessanten Ansätzen für den Intraday-Handel vorgestellt. Leider fehlen Formeln an dieser Stelle völlig. Wer zum Beispiel nicht weiß, wie das VWAP-Band definiert ist, dem nützen die entsprechenden Ideen nichts.
Während sich die ersten Handelsansätze nur an den Kursen orientierten, kommt der Autor danach zu einigen Ideen, die Indikatoren benutzen. Allerdings macht er keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen solche Ansätze. Das merkt dann auch. Behandelt werden gleitende Durchschnitte, das Momentum, der ROC-Indikator und Bollinger-Bänder. Danach widmet sich der Autor der Bestimmung des Kapitaleinsatzes über die Kelly-Formel. Schließlich entwickelt er einen Indikator aus der Kelly-Formel.
Kapitel 3 befasst enthält einige Trading-Ideen, die aus Kursmustern abgeleitet sind. Aber aus diesen Ansätzen muss man erst einmal etwas machen. Wie das gehen kann, offenbart der Autor an mehreren recht einfachen Beispielen im letzten Kapitel seines Buches.
Zunächst entwickelt er ein einfaches System, das long in den Markt geht, wenn ein neues Allzeithoch erreicht wird. Erstmals definiert der Autor ein komplettes System, also Ein- und Ausstieg, Risiko und Positionsgröße. Er bevorzugt Systeme mit einem konstanten Geld-Risiko, das er allein über die Positionsgröße steuert. Er verringert oder vergrößert also seine Position jeweils, um das vorher festgelegte Risiko konstant zu halten. Diese Methode hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil von Teilgewinnen, wenn das Risiko steigt, ohne dass die Position völlig geschlossen werden muss. In nachlassender Ausführlichkeit werden danach interessantere Systeme diskutiert.
Der Autor zeigt darüber hinaus, wie er Systeme testet und optimiert. Er weist auch darauf hin, dass solche Tests selbstverständlich nicht zeigen, ob das jeweilige System im realen Handel genau so funktioniert. Da man einer Tageskerze nicht mehr ansehen kann, wie der Intraday-Verlauf aussah, machen solche Tests folglich Annahmen über erreichte Einstiege, die so vielleicht gar nicht möglich waren. Aus diesem Grund sollte man Systeme auch im realen Handel testen, bevor man wirklich Kapital einsetzt.
Fazit. Im Grunde genommen ist dies ein überraschend gutes Buch. Anfänger und fortgeschrittene Händler können sicher aus den Ansätzen und der generellen Vorgehensweise des Autors einiges lernen. Leider fehlt diesem Werk die Konsistenz in der Darstellung. Irgendwie hat man das Gefühl, der Autor konnte sich nicht entscheiden, ob er ein Buch für Anfänger oder für Profis schreibt. Nicht zufällig widerspiegelt sich diese Unentschlossenheit auch in der Sprache. An einigen Stellen benutzt der Autor deutsche Begriffe solange dies möglich ist, an anderen Stellen ist der unnötige deutsch-englische Sprachmischmasch geradezu unerträglich. Hätte er uns das erste Kapitel erspart und stattdessen alle seine in den Kapiteln 2 und 3 vorgestellten Ansätze ausführlicher erklärt, wäre dieses gute Buch wesentlich besser geworden. Wie bei fast allen Börsenbüchern ist zum besseren Erkennen der Charts und der meisten anderen Abbildungen der Kauf einer Lupe empfehlenswert.
Das aber ändert nichts daran, dass die vorgestellten Ideen und Methoden gut sind. Man muss allerdings wie immer etwas Eigenes daraus zu machen verstehen. Wirklich lesenswert.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 8. Februar 2009 | | | | | | | |
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